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Das Osterlachen

Quelle https://pixabay.com/de/photos/junge-lachen-lesung-kind-kinder-2604853/Lange Zeit war das Osterlachen ein Ritus, der vor allem in Süddeutschland, aber auch sonst in Europa vor allem am Ostersonntag seit dem Mittelalter gepflegt wurde.

Nach der langen Fastenzeit, der Trauer des Karfreitags und der Stille des Karsamstags sollte das Lachen am Ostersonntag befreiend wirken, und die Freude über die Auferstehung Jesu sollte auf diese Weise laut und deutlich zum Ausdruck gebracht werden. Dazu ließen sich die Priester allerlei einfallen, um ihre Schäfchen von der Kanzel herunter zum Lachen zu bringen. Manch einer erzählte einen Witz nach anderen, zog schelmenhaft über Regierung und Obrigkeit her - und manch einer brachte eine Plattitüde oder auch Frivolität nach dem anderen, so dass das Osterlachen schließlich verboten wurde.

Erst in den letzten 20 Jahren erfreut sich das Osterlachen, der "risus pascalis" erneuter Beliebtheit. Das älteste Lachen, das wir aus der Bibel kennen, ist das Lachen der Sara, mit dem sie bezweifelt, dass sie und Abraham in ihrem betagten Alter noch ein Kind bekommen sollen. Das Kind wird geboren und heißt: Isaak - zu Deutsch: Gott lacht! Gottes Lachen ist der Anfang des großen Volkes Israel, auf das sich das Judentum und unser Christentum bezieht. Gottes Lachen ist stärker als alle Zweifel, ob Leben noch möglich ist, selbst in fortgeschrittenem Alter.

Und das Osterlachen ist ein erneutes Lachen Gottes! Sein Lachen ist sogar stärker als der Tod. Was für eine herrliche Vorstellung: Gott lacht den Tod aus. Wenn wir in Gottes Lachen einstimmen, ist das schon etwas wie ein Glaubensbekenntnis. Lachen hat darüber hinaus etwas Befreiendes - sich nicht zurückhalten zu müssen, außer sich zu sein vor Freude darüber, dass Gott endgültig Leben schafft auch angesichts von Leid und Tod in der Welt.

Gott hat also gut lachen - und wir? Ausgerechnet von Nietzsche stammt das Wort: "Christen müssten erlöster aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte." Auch Papst Franziskus mahnt seine Glaubensbrüder an, bei heiligen Messen nicht den Anschein zu erwecken, sie würden statt einer Auferstehungsfeier eine Beerdigung halten. Und doch haben wir mit dem Geschenk der Auferstehung Jesu unsere eigene Erlösung und die Zusage, dass wirklich alles gut wird, gleich mitgeliefert bekommen. "Wir sind nicht totzukriegen, wenn wir glauben", sagt Bischof Oster aus Passau.

Das österliche Halleluja klingt vor allem in dem Lied "Gelobt sei Gott im höchsten Thron" (GL 328) für mich wie ein lachender Zwischenruf: "Halleluja-ha-ha" (GL 328) - es verweist auf den, der als letztes lacht. Lassen wir uns anstecken von Gottes Lachen, nehmen wir uns selbst nicht so wichtig, trauen wir uns mal, nicht immer alles unter Kontrolle haben zu müssen und gelöst und befreit aus uns herauszugehen.

Und so treffen sich an Ostern zwei Rühreier. Sagt das eine zum anderen: "Mannomann, ich bin heute durcheinander!" Rühreier passen eigentlich viel besser zu Ostern als gekochte Eier. Ostern ist nämlich nicht das Fest derer, die abgebrüht sind, sagt Pfr. Joachim Koffler aus Freiburg, sondern es ist das Fest derer, die sich durcheinanderbringen lassen, die sich von der Freude der unerwarteten und unglaublichen Auferstehung anstecken lassen und die sich mal kräftig - und sei es von einem befreiten Lachen - durchschütteln lassen.

Und so segne uns der Gott des Friedens mit seiner unbändigen Lebensfreude. Er gebe uns Mut, auch unangenehmen Dingen mit einem Lachen zu begegnen und den Glauben, dass Gott als letztes lachen wird und sagt: Es ist gut! Amen!

 

Lucia Justenhoven - Geistliche Begleiterin, kfd-Diözesanverband Hamburg

 

Fastenzeit - mein persönlicher Sicherheitsgurt!

Quelle https://cdn.pixabay.com/photo/2013/04/01/10/54/fasten-seat-belt-98607__340.png"Fasten your seatbelt" prangt in leuchtender Schrift in den Flugzeugen vor dem Start, vor der Landung oder wenn es in weiter Höhe Turbulenzen gibt. Das englische "fasten" meint hier: festmachen bzw. sichern und scheint auf dem ersten Blick nichts mit dem zu tun zu haben, was wir im Deutschen unter "fasten" verstehen - oder doch?

Fasten im Sinne von Verzichten und sei es gar auf das Grundsätzliche, was wir Menschen zum Leben brauchen, nämlich die Nahrung, ist Ausdruck von Stärke. Das geht nicht einfach so, sondern es bedarf auch der Übung. Aber es schafft Freiheit, aus eigenem Willen auf Dinge verzichten zu können in dem Gefühl, nicht abhängig von bestimmten Sachen zu sein. Das eigentliche Ziel des Verzichtes ist demzufolge nicht der Verzicht selber, vielmehr die Festigung und Stärkung der eigenen Persönlichkeit. So verstanden lädt uns die Fastenzeit ein, nicht nur "den Gürtel enger zu schnallen", sondern frohgemut auf die Suche nach dem zu gehen, was uns persönlich stärkt.

"Sei gut zu dir", fordert uns Erzbischof Heße in seinem diesjährigen Fastenbrief auf. Zu schauen auf das, was mir gut tut, das stärkt mich. Und es stärkt mich auch, wenn ich auf meine/n Nächste/n schaue, mir überlege, wie ich hier und da eine kleine Freude machen kann oder zur Seite stehen kann.

Ein dritter Punkt: Ich kann die Fastenzeit nutzen, um meine Beziehung zu Gott zu stärken und zu festigen - durch das tägliche Gebet, durch das Lesen biblischer oder geistlicher Texte, durch den Austausch mit anderen über meinen Glauben.

"Fasten your seatbelt" - die Fastenzeit sehe ich als meinen persönlichen Sicherheitsgurt. Sie ist für mich als Vorbereitung auf Ostern auch ein Trainingszeitraum zur Stärkung meiner Persönlichkeit, um gefestigt und sicher die zu erwartenden Turbulenzen in meinem Leben zu überstehen: die persönlichen Gründonnerstage der Verzweiflung und Enttäuschung, die persönlichen Karfreitage voll Schmerz und Tod, die persönlichen Karsamstage der Trauer und Sprachlosigkeit.

In der Gewissheit, dass Gott aus aller Ausweglosigkeit neues Leben schaffen kann und schafft, erwarte ich schon jetzt voll Freude das Osterfest; das Fest der Auferstehung, das alle Tränen wegwischen wird.

 

Lucia Justenhoven - Geistliche Begleiterin, kfd-Diözesanverband Hamburg

Geistlicher Einwurf: Sternstunden des Glaubens

Sie kennen Sternstunden des Glaubens? Gewiss haben Sie sie schon erlebt. Es sind jene Stunden, in denen es uns einfach gut geht. Augenblicke, in denen wir uns herausgehoben fühlen aus den Belastungen des Alltags, und in denen wir uns durch die Nähe Gottes bis in die Tiefenschichten unserer Seele wohl fühlen. Solche Sternstunden stimmen uns froh, wir schöpfen Kraft fürs Leben.

Jedes Mal, wenn ich die biblische Szene (Mk 9,2-10; 2. Fastensonntag) auf dem Berg der Verklärung (Foto) betrachte, denke ich an jene Erfahrungen, die sich eigentlich nicht in Worte fassen lassen. Auch die kleine Schar der Jünger um Jesus herum tut sich damit schwer und kann diesen Augenblick noch gar nicht begreifen. Aber alle fühlen sich wohl und würden diesen Augenblick am liebsten festhalten.

Diese Szene gehört für mich zu den anspruchsvollsten Stellen der Heiligen Schrift. Sie deutet natürlich hin auf das bevorstehende Ereignis von Ostern. Durch Schmerz und Leiderfahrung hindurch erstrahlt der vorweggenommene Glanz des Auferstandenen. Im Augenblick unmittelbarer Nähe des verklärten Christus fühlen sich die Jünger tatsächlich wie in den Sphären des Himmels. Eine Momentaufnahme glücklichen Wohlbefindens - wie in einer anderen Welt. 

In abgestuft ähnlicher Weise werden auch uns Sternstunden des Glaubens geschenkt: beim gemeinsamen Gottesdienst und nicht zuletzt auch im persönlichen Gebet. In diesen Zeiten der Corona-Pandemie erfährt die individuelle Art des Betens einen neuen Stellenwert. Ohne großen Aufwand und unter Berücksichtung aller Corona-Regeln kann diese Weise des Betens erfolgen - an jedem Ort und zu jeder Zeit.

Die Mystikerin Juliana von Norwich (1342-1413) beispielsweise bestätigt: "Das persönliche Gebet bewirkt, als Mensch mit sich selbst zufrieden zu sein. Es macht diejenigen besonnen, die von Mühsal (vgl. Mt 11,28) beladen sind. Denn die Liebe Gottes ist so mächtig, dass sie uns teilhaben lässt an allem, was uns guttut."

Augenblicke des Glaubens würden auch wir am liebsten im Herzen festhalten. Aber sie sind wenigstens für einige Augenblicke da. "Manchmal feiern wir mitten am Tag ein Fest der Auferstehung", heißt es in einem bekannten neuen geistlichen Lied. Gerade in diesen belasteten Zeiten wünschen auch wir uns solche Sternstunden des Glaubens - mitten in unserem Lebensalltag.

 

Wolfgang Guttmann - kfd-Diözesanpräses

 

Geistlicher Einwurf: Stellen Sie sich vor, ...

Quelle https://pixabay.com/de/photos/kinder-gesichtsmaske-porträt-kind-5770618/... es ist Fastenzeit, und niemand merkt's! Das ist oft Realität, allemal in diesem Jahr. In diesen Corona-Zeiten ist durch das Einhalten der AHA-Regeln das Leben beträchtlich eingeschränkt. Viele haben schon seit Monaten das Gefühl, sich mitten in der Fastenzeit zu befinden.

Biblisch gesehen will Fasten tatsächlich nicht an die große Glocke gehängt werden. Jesus von Nazareth ist uns Christen darin ein großes Vorbild. Damit andere die sich selbst auferlegte Askese nicht wahrnehmen, fordert Jesus dazu auf, während des Fastens kein finsteres Gesicht zu machen; alles andere wäre heuchlerisch (vgl. Mt 6,16).

Bemerkenswert: Jahrhunderte vorher wird im Buch des Propheten Jesaja das Fasten als ein befreiendes Tun betrachtet: "Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen" (Jes 58,6). Übertragen auf unsere Zeit kann es bedeuten, die durch die Pandemie hervorgerufene Bedrückung und Einschränkung vieler mit unseren Charismen aufzubrechen und erträglicher zu machen.

Von der gegenwärtigen Belastung ist jede Generation berührt - auch die jungen Leute, wenn Schulen geschlossen bleiben und Treffen mit Freunden oft nicht möglich sind. Der seelische Druck ist für viele schwer erträglich. Alle Bemühungen, einer belastenden Isolierung entgegenzuwirken, versteht die Bibel als ein befreiendes Fasten in den Augen Gottes.

Fasten ist also nicht nur eine Frage der Einschränkungen. Unter Berücksichtgung der geltenden Vorsichtsmaßnahmen will Fasten uns dazu verhelfen, unsere Augen und unser Herz neu zu öffnen, wie und wo wir uns mit unseren kreativen und hilfreichen Ideen einbringen können. Die heutige krisengeschüttelte Zeit liefert Gelegenheiten dazu genug.

Stellen Sie sich vor, es ist Fastenzeit, und niemand merkt's? Nein, alle sollen merken, dass mit der Fastenzeit eine besondere Zeit angesagt ist! Innerlich kann jede ihren eigenen guten persönlichen Vorsatz fassen. Die Fastenzeit als eine Zeit des Heiles weckt eine neue Einsicht, im Geiste Jesu mit noch größerer Entschiedenheit das Gute zu tun.

 

Wolfgang Guttmann - Diözesanpräses

 

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