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Die vier Kerzen am Adventskranz

Vier Kerzen brannten am Adventskranz. So still, dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen.

Die erste Kerze seufzte und sagte: "Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden". Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz. 

Die zweite Kerze flackerte und sagte: "Ich heiße Glauben. Aber ich bin überflüssig. Die Menschen wollen von Gott nichts wissen. Es hat keinen Sinn mehr, dass ich brenne." Ein Luftzug wehte durch den Raum, und die zweite Kerze war aus.

Leise und traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort: "Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen stellen mich an die Seite. Sie sehen nur sich selbst und nicht die anderen, die sie lieb haben sollen." Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.

Da kam ein Kind in das Zimmer. Es schaute die Kerzen an und sagte: "Aber, aber, ihr sollt doch brennen und nicht aus sein." Und fast fing es an zu weinen.

Da meldete sich die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte: "Hab keine Angst! Solange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden. Ich heiße Hoffnung."

Mit einem Streichholz nahm das Kind Licht von dieser Kerze und zündete die anderen Lichter wieder an. Die Flamme der Liebe wurde neu entfacht. Das Licht des Glaubens wieder in den Mittelpunkt des Lebens gestellt. Durch unser mitmenschliches Verhalten wollen wir das Licht des Friedens in unseren Alltag bringen.

Liebe Leserinnen, die vierte Kerze am Adventskranz ist entzündet, und wir sind voller Hoffnung auf das Ankommen unseres Herrn Jesus Christus. Der Text für den 4. Sonntag im Advent mit dem Titel "Rorate caeli desuper" lautet: "Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken reget den Gerechten: Es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor" (Jes 45,8). Mit diesen bezeichnenden und eindringlichen Worten beginnt der letzte Sonntag vor Heiligabend und Weihnachten. Die Zeit, dass der Heiland kommt ist fast da.

Der Erzengel Gabriel hat Maria die Botschaft überbracht: "Sei gegrüßt, du bist voll der Gnade, der Herr ist mit dir" (Lk 1,28). Und Maria antwortet: "Ich bin die Magd des Herrn, mit geschehe, wie du es gesagt hast" (Lk 1,38).

Doch der Engel hat auf die Frage Marias "Wie soll das geschehen?" (Lk 1,34) nur eine kurze, aber ausschlaggebende Antwort: Gott wird des richten. Gott hat ungeahnte Möglichkeiten, um für das Heil der Menschen zu wirken (vgl. Lk 1,35).

Gott hat sich Maria für uns ausgesucht. Er sendet seinen Sohn, er schenkt der Welt ein Kind, geboren von einer Frau und zeigt damit, dass er ungeahnte Möglichkeiten für das Heil der Welt hat.

Mögen wir in dieser ungewöhnlichen Zeit voller Hoffnung auf das Kind schauen, und dass es unser Leben heilen wird.

 

Gabriele Semrau - kfd-Diözesanvorsitzende

 

 

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