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Geistlicher Einwurf: Fremdbestimmt? - Selbstbestimmt?

Tobsuchtsanfall?! Nicht ausgeschlossen, dass Sie selbst schon einmal restlos aus sich herausgegangen sind. Es sind keine Einzelfälle, wenn jemand besessen ist von trügerischen Vorstellungen. Manche sind beispielsweise besessen von einer Gier nach Geld, von einer Sucht nach Karriere, von Neidgefühlen, von einem Streben nach Einfluss und Macht. Besessenheit ist weit verbreitet und stellt sich in verschiedenen Formen dar. Widernatürliche Kräfte können dabei ebenso eine Rolle spielen, wie von allen guten Geistern verlassen zu sein, wenn es zu ausgeprägten Erregungszuständen kommt.

Sind es nicht auch Anzeichen von Besessenheit, wenn Menschen gnadenlos miteinander umgehen? Was für ein Geist ist in sie gefahren, wenn Hass mit noch größerem Hass beantwortet wird? Haben sie sich selbst noch unter Kontrolle oder sind sie fremdbestimmt?

Erfahrungen von Frembestimmungen macht auch der Apostel Paulus, wenn er im Brief an die Römer (7,19f) schreibt: "Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, dann bin nicht mehr ich es, der so handelt, sondern die in mir wohnende Sünde." Es ist die Erfahrung eines jeden von uns: bösartige Gedanken lauern in unseren Tiefenschichten und wollen bei passender Gelegenheit zum Durchbruch kommen.

Jesus heilt einen Besessenen. Das Evangelium (Mk 1,21-28) dieses Sonntags (4. So. i. J.) stellt uns dieses außergewöhnliche Ereignis vor. Jesus steht unmittelbar an der Schnittstelle im Kampf zwischen Gut und Böse. In dieser Auseinandersetzung wird deutlich, wem künftig die entscheidende Macht gehören wird. Der Sieg des Guten wird sich unüberbietbar erweisen während eines überwältigenden Ereignisses: an Ostern!

Diese biblische Begebenheit der Heilung eines Besessenen ist zu lesen wie eine Vision: das Göttliche, das Gute, das Heilige wird sich behaupten. Denjenigen wird die Zukunft gehören, die auf die Gegenwart des Geistes Gottes setzen.

Das Evangelium macht uns nachdenklich: Wovon sind wir in unserem Leben besetzt? Haben wir uns unter Kontrolle oder sind wir fremdbestimmt? Was beeinträchtigt uns in unserer Nähe zum Heiland der Welt?

Erstaunlich: Selbst die unreinen Geister wissen und bekennen (1,24), wer derjenige ist, der den Besessenen heilt: "Der Heilige Gottes."

 

Wolfgang Guttmann, Pfr. i. R. - Diözesanpräses

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