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Geistlicher Einwurf: Sternstunden des Glaubens

Sie kennen Sternstunden des Glaubens? Gewiss haben Sie sie schon erlebt. Es sind jene Stunden, in denen es uns einfach gut geht. Augenblicke, in denen wir uns herausgehoben fühlen aus den Belastungen des Alltags, und in denen wir uns durch die Nähe Gottes bis in die Tiefenschichten unserer Seele wohl fühlen. Solche Sternstunden stimmen uns froh, wir schöpfen Kraft fürs Leben.

Jedes Mal, wenn ich die biblische Szene (Mk 9,2-10; 2. Fastensonntag) auf dem Berg der Verklärung (Foto) betrachte, denke ich an jene Erfahrungen, die sich eigentlich nicht in Worte fassen lassen. Auch die kleine Schar der Jünger um Jesus herum tut sich damit schwer und kann diesen Augenblick noch gar nicht begreifen. Aber alle fühlen sich wohl und würden diesen Augenblick am liebsten festhalten.

Diese Szene gehört für mich zu den anspruchsvollsten Stellen der Heiligen Schrift. Sie deutet natürlich hin auf das bevorstehende Ereignis von Ostern. Durch Schmerz und Leiderfahrung hindurch erstrahlt der vorweggenommene Glanz des Auferstandenen. Im Augenblick unmittelbarer Nähe des verklärten Christus fühlen sich die Jünger tatsächlich wie in den Sphären des Himmels. Eine Momentaufnahme glücklichen Wohlbefindens - wie in einer anderen Welt. 

In abgestuft ähnlicher Weise werden auch uns Sternstunden des Glaubens geschenkt: beim gemeinsamen Gottesdienst und nicht zuletzt auch im persönlichen Gebet. In diesen Zeiten der Corona-Pandemie erfährt die individuelle Art des Betens einen neuen Stellenwert. Ohne großen Aufwand und unter Berücksichtung aller Corona-Regeln kann diese Weise des Betens erfolgen - an jedem Ort und zu jeder Zeit.

Die Mystikerin Juliana von Norwich (1342-1413) beispielsweise bestätigt: "Das persönliche Gebet bewirkt, als Mensch mit sich selbst zufrieden zu sein. Es macht diejenigen besonnen, die von Mühsal (vgl. Mt 11,28) beladen sind. Denn die Liebe Gottes ist so mächtig, dass sie uns teilhaben lässt an allem, was uns guttut."

Augenblicke des Glaubens würden auch wir am liebsten im Herzen festhalten. Aber sie sind wenigstens für einige Augenblicke da. "Manchmal feiern wir mitten am Tag ein Fest der Auferstehung", heißt es in einem bekannten neuen geistlichen Lied. Gerade in diesen belasteten Zeiten wünschen auch wir uns solche Sternstunden des Glaubens - mitten in unserem Lebensalltag.

 

Wolfgang Guttmann - kfd-Diözesanpräses

 

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